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Bewusster Zahlensalat zum Thema Mieten: Faktenverdreher haben Hochkonjunktur

Die Mieten in der Schweiz steigen seit Jahren unaufhörlich an. Dies zeigt der offizielle Mietpreisindex des Bundes. Die Zahlen sind klar und deutlich. Und trotzdem gibt es dauernd gegenteilige Schlagzeilen. Gehäuft gerade jetzt vor der Abstimmung über die Volksinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen». Was steckt dahinter?

«Die Mieten seit 2000 gesunken», «Mieten seit 20 Jahren kaum gestiegen». Diese und ähnliche Titel sind in den letzten Tagen in verschiedenen Zeitungen erscheinen. Notabene aufgrund des gleichen Berichtes aus der Küche der Immobilienwirtschaft. In der gleichen Woche kommunizierte das Bundesamt für Statistik die neuesten Zahlen zum Landesindex der Konsumentenpreise: «2019 betrug die durchschnittliche Jahresteuerung +0,4%. Dieser Anstieg ist insbesondere auf höhere Preise für Wohnungsmieten sowie auf gestiegene Preise für neue Automobile zurückzuführen.» Die Mieten in der Schweiz steigen seit Jahren unaufhörlich an. Dies zeigt der offizielle Mietpreisindex des Bundes. Dieser misst seit Jahrzehnten die Mietzinse der Mietwohnungen, die sogenannten Bestandesmieten, welche Alt- und Neubau umfassen. Seit 2000 sind die Mieten im Schweizer Durchschnitt um 28 Prozent gestiegen. Die Mieten sind auch in den Jahren 2018 und 2019 gestiegen.

Im erwähnten Bericht des Verbandes der Immobilienwirtschaft SVIT versteigt sich der Autor in abenteuerliche Aussagen. So wird die offizielle Mietpreisstatistik des Bundes, die ein gewichtiger Bestandteil des offiziellen Landesindexes der Konsumentenpreise ist, massiv kritisiert. Der Mietpreisindex sei «überzeichnet» und wiederspiegle «kein repräsentatives Bild des Mietwohnungsmarktes». Im Fazit des Berichtes steht sogar der Satz, dass «keine generelle Mietpreissteigerung festgestellt werden kann».

So funktionieren Fakenews! Schauen wir den Bericht der Immobilienwirtschaft genauer an. Einer steigenden Kurve gemäss dem Mietpreisindex des Bundes wird eine sinkende Kurve gegenübergestellt, welche ebenfalls auf Bestandesmieten gemäss einem Index des Unternehmens IAZI beruht. IAZI verwendet zwei verschiedene Indices. Der «IAZI Netto Rent Index» misst die «eigenschaftsbereinigten Bestandesmieten». Der Index «bereinigt», dass die Wohnungen immer grösser und luxuriöser werden. Aber leider nützt es einer Mieterin nichts, wenn es in den letzten Jahren zu viele luxuriöse Neuwohnungen mit vielen Quadratmetern hat, aber zu wenige Wohnungen mit vernünftiger Ausstattung zu bezahlbaren Preisen. Diese Bereinigung der Statistik ist mehr als beschönigend.

Interessant ist auch der «IAZI Rent Fidelity Index». Er zeigt die Entwicklung der Bestandesmieten von Mieterinnen und Mietern ohne Wohnungswechsel. Dabei ist zur Genüge bekannt, dass es gerade bei Mietwechseln zu massiven Mietpreisaufschlägen kommt. Daher ist auch dieser Index keine Beschreibung der realen Entwicklung der Mieten.

Bundesrat verweist auf Zahlen der Immobranche anstatt auf offizielle Statistik

Leider verweist inzwischen auch der Bundesrat unter Wohnbauminister Parmelin in der Abstimmungsbotschaft zur Volkinitiative «Mehr bezahlbare Wohnungen» lieber auf Zahlen diverser privater Immobiliendienstleister, statt auf die offizielle Mietpreisstatistik des Bundes.

Kein Wunder - wenn die Realität steigender Mieten mit abenteuerlichen Indices wegretouchiert wird, sind diese Zahlen natürlich politisch genehmer. Wer sich ein eigenes Bild machen will, fragt im privaten Umfeld, ob die Mieten in den letzten Jahren gesunken oder nicht doch eher gestiegen sind.

Aber unabhängig davon wie stark die Mieten im Moment steigen, ist die Förderung des gemeinnützigen Wohnungsbaus wichtig. Denn so sind langfristig die Mieten dank der Kostenmiete günstiger. Ein JA am 9. Februar zur «Mehr bezahlbare Wohnungen» ist auf jeden Fall vernünftig und sinnvoll.

Kommentar von Natalie Imboden, Generalsekretärin Mieterinnen- und Mieterverband Schweiz

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